„Gold und Asche“ regt zum Nachdenken an!

Wir leben im Hier und Jetzt – das ist auch gut so –, aber mindestens genauso wichtig ist es, den Blick zwischendurch auch einmal auf Vergangenes zu richten. Wenn dann dieser Blick so wunderbar sentimental und gefühlvoll ausfällt wie der, den wir am gestrigen Samstag im „BIS“ miterleben durften, steht einem Gefühl der unendlichen Spannung nichts mehr im Wege.
Marie Oser und Sophie Sczepanek verzauberten den großen Saal im „BIS“ gestern Abend in das Deutschland der 1920er-/1930er-Jahre. Dass dabei natürlich nicht nur die schönen Seiten angesprochen bzw. angesungen wurden, war zu erwarten. Wenn dann die dunkle Geschichte unserer Republik in einer so charmanten Art eine Erinnerung erhält, wie es das perfekt aufeinander abgestimmte Duo tat, verliert der Schrecken nicht seine Wirkung, aber er wird entspannter aufgenommen.
Unvergessene Lieder wie „Lili Marleen“ oder „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ von Friedrich Hollaender wechseln sich ab mit Anekdoten des wilden Lebens in den Berliner Bars der 1920er-Jahre und Gedichten, unter anderem von Kurt Tucholsky.
Die Stimme von Marie Oser trifft dabei das Publikum oft mit Wucht, aber eben auch mit einer wundervollen Melancholie, die zum Nachdenken, aber auch zum Entspannen einlädt.
Sophie Sczepanek, vermutlich eine der besten Pianistinnen Deutschlands, steht der Hauptdarstellerin in Sachen Klavier- und Zusammenspiel in nichts nach, sodass sich auf der Bühne eine Welt auftut, die einen nach den letzten Tönen in eine Atmosphäre entlässt, die gefährlich an die damalige Zeit erinnert.
Am Ende sind alle Besucher begeistert und spenden den verdienten, langen Applaus. Besonders zu erwähnen – und vom Publikum, das schon bei der Ansage der beiden Künstlerinnen auf dieses Handicap hingewiesen wurde, entsprechend gewürdigt – trat Sophie Sczepanek mit einem frischen Hexenschuss an. Auf einen Stock gestützt betrat sie die Bühne, um zwei Stunden später am selben Stock dieselbige wieder zu verlassen. Eine Energieleistung, die besondere Hochachtung verdient.
Fazit: Ein phantastischer Abend, der noch lange im Gedächtnis haften bleiben wird.
Foto: Udo Theuer